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Kosten eines Strafverfahrens als Werbungskosten?

Ein wichtiges Thema in der Praxis ist die steuerliche Absetzbarkeit der Kosten des Strafverfahrens.

Beim Versuch, Strafen oder Bußgelder als Werbungkosten abzusetzen, werden Sie beim Finanzamt gemäß § 12 Nr. 4 EStG auf Granit beißen.

Bei den Anwaltskosten hingegen gibt es Möglichkeiten diese Werbungkosten abzusetzen. Im Strafverfahren sind Anwaltskosten dann als Werbungskosten (§ 9 Abs. 1 S 1 EStG) absetzbar, wenn der Tatvorwurf auf einen „erwerbsbezogenen Sachverhalt“ gestützt wird. Die strafbare Handlung muss im Rahmen der beruflichen Aufgabenerfüllung liegen (BFH (Bundesfinanzhof), Beschluss vom 17. 8. 2011 - VI R 75/10).Werbungskosten liegen jedoch nicht vor, wenn z. B. der Mitarbeiter seinen Arbeitgeber bestiehlt, um sich privat zu bereichern. Diebstahl ist kein im Arbeitsvertrag vorgesehener „Erwerb“, hier liegt lediglich ein privater Erwerb vor (BFH Beschluss vom 17. 8. 2011 - VI R 75/10).

Aufwendungen, die durch strafbare Handlungen ausgelöst wurden, werden als Werbungskosten anerkannt, wenn die Ausgabe der Vermehrung des Gewinnes der Arbeitgeberin dient. So konnte ein Geschäftsführer, der zu Gunsten seiner Arbeitgeberin eine Steuerhinterziehung begangen hatte, die von ihm persönlich bezahlten Steuerhinterziehungszinsen und Anwaltskosten als Werbungskosten von seiner persönlichen Einkommensteuer absetzen. Dies ergibt sich auch aus dem objektiven Nettoprinzip (§ 40 AO), wonach es für die Besteuerung nicht darauf ankommt, ob die Einnahme legal erzielt wurde (BFH, Urteil vom 18. 10. 2007 - VI R 42/04).

Die Anwaltskosten sind allerdings nach Ansicht des BFH gemäß § 33 EStG nur im Rahmen des RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz) abzugsfähig. Eine Gebührenvereinbarung, die eine höhere Vergütung vorsieht, als im RVG vorgesehen, ist nach Ansicht des Bundesfinanzhofs keine „rechtlich und tatsächlich“ notwendige Aufwendung im Sinne des § 33 II S. 1 EStG, da eine effektive Strafverteidigung auch zu den gesetzlich vorgesehenen Gebühren ohne weiteres möglich sei (BFH, Urteil vom 18. 10. 2007 - VI R 42/04).

Bei Verkehrsstrafsachen und Ordnungswidrigkeiten dürfte es ebenfalls darauf ankommen, ob der Verkehrsverstoß im Rahmen der Erwerbstätigkeit erfolgte und dem Arbeitgeber in irgendeiner Weise zu Gute kommen sollte. So dürfte das Finanzamt bei Verteidigungskosten für Alkohol am Steuer nachfragen, warum die konkrete Alkoholfahrt dem Arbeitgeber zu Gute gekommen sein soll. Der Verdacht liegt nahe, dass die Alkoholfahrt nur durch Zufall gerade der Arbeit begangen wurde.

Strafverteidigungskosten aufgrund einer Geschwindigkeitsüberschreitung wegen arbeitsbedingtem Termindruck dürften dagegen eher als Werbungskosten absetzbar sein.

Besprechen Sie den Einzelfall am besten mit Ihrem Steuerberater!


Die knappe Darstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kann eine anwaltliche Beratung nicht ersetzen. Trotz gründlicher Bearbeitung bleibt eine Haftung ausgeschlossen.

Ansgar Honsel, Rechtsanwalt

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Kosten eines Strafverfahrens als Werbungskosten
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